Trampen zum Massiv Trail, von Kungsälv bis Haukeliseter Fjellstue, Tag 2

Veröffentlicht am 24. Juli 2025 um 21:26

 Gesten um 23.30 Uhr bin ich auf dem Campingplatz in Kungsälv angekommen und habe noch ein schönes Bad im warmen Fluss genossen. Das erste Mal, dass ich mein neues, superleichtes Zelt von Bonfus auf Reisen aufgebaut habe. Am nächsten Morgen um 7 Uhr habe ich mich über diese Aussicht hier gefreut. 

Beim Aufbruch, um 9 Uhr, habe ich mir nach der Erfahrung gestern geschworen, das ich maximal 3 stehe und dann den Zug nach Oslo nehme. Kaum war ich auf der Straße sah ich einen Mercedes Van mit Kennzeichen Oldenburg und sprach den Fahrer an. Und, Zack, hatte ich einen Lift bis zur norwegischen Grenze. Ich könnte mein Glück kaum fassen. Patrick war Fahrzeughändler und hatte auf eBay Kleinanzeigen einen sehr schönen Wohnwagen gefunden, den er jetzt von dem norwegischen Verkäufer abholen wollte. 

Dann entwickelte sich ein kleiner Krimi: 30 Minuten vor der Grenze rief der Verkäufer an, dass er jetzt doch nicht zur Grenze kommen kann und nannte eine Tankstelle 35 km nördlich der Grenze, wo die Übergabe stattfinden sollte. Patrick gesand mir, dass er etwas nervös sei, ein paar Sachen an dem Kontakt mit dem Verkäufer seien komisch gewesen. Er sei ganz froh, dass ich jetzt dabei sei, ich solle die Augen aufhalten. An der Tankstelle tauchte der Verkäufer, Martin, in einem Volvo auf und sagte, wir müssten noch drei Kilometer bis zum Wohnwagen fahren. Patrick wurde immer unruhiger und während wir hinter Martin hinterherführen gestand er mir, dass Martin offenbar kein Norweger sei, sondern einer Ernie angehöre, mit der er als Fahrzeughändler sehr schlechte Erfahrung gemacht haben. Eigentlich hatte er sich geschworen mit denen keine Geschäfte mehr zu machen. Die Situation wurde immer angespannter, aus wie bergauf fuhren und die letzte Siedlung hinter uns ließen und die Straße immer schlechter und stellt wurde. Patrick hielt an und teilte Martin telefonisch mit, dass er das komisch fände. Darauf sandte Martin Martin einen Live Stream von dem Wohnwagen, der Mützen in einem Lager für Fahrzeuge und Yachten stand. Linn Story short, es gab dann eine Stunde von Begutachtung und Behandlung, in der es teils etwas laut wurde und am Ende das Geschäft doch abgeschlossen wurde.

Martin nahm mich dann noch 30 km in Richtung Norden mit, wo ich dann in Richtung Westen weitertrampte. Erst mit einem sehr netten jungen Pärchen, dann mit einem Lastwagenfahrer Namens Jim ...

... einen Polen, der auf den Bau arbeitete und dessen Name ich leider vergessen habe ...

... Sam, der Immobilienmakler ist und dessen Eltern aus Afghanistan und dessen vor-Vorfahren aus China stammen ...

... Dann eine norwegische Krankenschwester für psychiatrische Patienten, ein ca. 65-jähriger Norweger mit seiner Frau aus Südkorea, ein Norweger von ca. 75 Jahren, Ernest aus Lettland, der auf dem Bau arbeitete und überall sonst, wo es gutes Geld gibt ...

... Zwei Brüder aus der Ukraine, von denen der eine 20 Jahre alt war, Computeranimation studiert hat und gerade erst es geschafft hatte, illegal aus der Ukraine auszuweisen. Von morgens 9 Uhr bis abends 9 Uhr habe ich bin Stop Liebesgeschichten gehört. Einige Scheidungen waren dabei, Flucht, Angst vor kriegen, Begeisterung für Norwegen, die Pleite eines eigenen Burgerladens, der Bericht über Kinder, die in der ganzen Welt zerstreut sind. Am meisten berührt hat mich wohl aber mein letzter Fahrer, Abdi Mohammed Ali, der mich die ganzen 115 km von Seljord bis Haukeliseter Fjellstue fuhr. Die letzten 35 km aus Gastfreundschaft, nur für mich, er musste die letzten 35 km wieder zurück fahren. Abdi ist 62 und ist mit 25 zusammen mit seinen Eltern aus Somalia geflohen. Heute arbeitet er als Lehrer für somalische Flüchtlinge und als Altenpfleger. Mit fast allen auf den Weg hatte ich Gelegenheit mein norwegisch zu üben, das ich mir die letzten 305 Tage auf Duolingo mit aneignet habe. Alle freuten sich, dass das ein deutscher war, der norwegisch Radenrechte. Ein Norweger meinte sehr direkt, das er sich freue einen so netten deutschen kennenzulernen, nach den die deutschen Norwegen im Krieg überrascht hätten. Aber Abdi kriegte sich hat nicht mehr ein. Er strahlte eine unfassbare Begeisterung für jedes Wort aus, das ich auf norwegisch sagte: "Veldig bra, Tilman, Veldig bra!!" Er gehörte mich am und stellte mir immer mehr Fragen auf norwegisch, bis Mitte der Kopf Qualmte. Seine Fröhlichkeit und seine Begeisterung waren echt ansteckend.

Abdi, du er fantastisk, mangen, mangen takk! 😊 ♥️

 Es gibt einige Menschen, die meine Begeisterung fürs Trampen nicht richtig nachvollziehen können. Ich fühle mich nach diesem Tag total erfüllt, beschenkt und in meiner Mitte. Das Risiko, sich an die Straße zu stellen sich der Situation auszusetzen nicht zu wissen, was als nächstes passiert, und ein ums andere Mal von wildfremden Menschen beschenkt zu werden gehört zu dem Schönsten. Ich fühle mich mit der Welt verbunden.

Und so sieht es aus, wo ich dank Abdi heute noch mein Zelt aufschlagen konnte. Hier sind wir auf 987 Meter. Morgen geht es dann für 20 Tage in die Berge. Es ist Regen angesagt, Mal schauen ...

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